
Amerikanismen / Anglizismen
Date: Tuesday, October 02 @ 23:37:35 EDT Topic: German Articles
Teil 1: Wortschatz1. Direkte (äußere) Entlehnungen aus dem Englischen finden sich in allen Lebens- und Sprachbereichen: (Politik, Wirtschaft) Boom, Job, Hearing, Telebanking, Outsourcing; (Forschung, Technik) Black-out, Update, Hotline, E-Mail; (Kultur, Freizeit usw.) Sitcom, Inlineskate, Surfing, Jogging, Skateboard, Drop-out, Freak, Vamp, Patchwork, Gameshow, Rave, Wellness, Rooming-in, Groupie, Babysitter. Manche dieser Entlehnungen kamen mit der Sache selbst ins Deutsche und füllten eine Wortlücke aus ((Blue)jeans, Surfing, Skateboard), andere treten in Konkurrenz zu deutschen Wörtern, verdrängen diese oder aber bereichern das jeweilige Wortfeld in inhaltlicher oder stilistischer Hinsicht. man denke etwa an Teenager (Teenie, Teeny) und Backfisch, Hobby und Steckenpferd, Job und Arbeit(splatz), Jogging und Dauerlauf.
Von diesen echten Entlehnungen sind die so genannten Scheinentlehnungen zu unterscheiden, die zwar aus englischem Wortmaterial gebildet wurden, aber nicht Bestandteil der englischen Sprache sind (Twen, Dressman, Handy, Pullunder). 2. Innere Entlehnungen Innere Entlehnungen aus dem Englischen zeigen sich einmal in den deutschen Wörtern oder Wendungen, die als Lehnübersetzungen anzusprechen sind: Gehirnwäsche (brainwashing), nasse Farbe (wet paint), Geburtenkontrolle (birth control), Kabelfernsehen (cable television), schweigende Mehrheit (silent majority), Halbleiter (semiconductor), einmal mehr (once more), Kalter Krieg (cold war), Selbstbedienung (self service), ... Um Lehnübertragungen aus dem Englischen handelt es sich bei Luftbrücke (airlift), Untertreibung (understatement), Titelgeschichte (cover story), gleitende Arbeitszeit (flexitime), Pferdeschwanz (ponytail), Schlafstadt (dormitory town), Marschflugkörper (cruise missile), Urknalltheorie (big bang theory). Als Lehnschöpfungen sind Wörter anzusehen wie Nietenhose (blue jeans), kopflastig (top-heavy), Blockfreiheit (non-alinement), Konterschlag (backlash), Helligkeitsregler (dimmer), Luftkissenboot (hovercraft), Wasserglätte (aquaplaning). Als Lehnwendungen sind zu betrachten: Im gleichen Boot sitzen (be in the same boat), jemandem die Schau stehlen (steal the show), das Gesicht wahren (save one's face), das Licht am Ende des Tunnels sehen (see the light at the end of the tunnel). Manche Wörter haben durch Einfluss des Englischen eine weitere Bedeutung, eine Lehnbedeutung, erhalten. So hat realisieren durch realize/realise neben seinen Bedeutungen "verwirklichen" und "in Geld umwandeln" noch die Bedeutung "sich etwas in Bewusstsein bringen/sich einer Sache bewusst werden" bekommen, kontrollieren hat über control die Bedeutung "beherrschen" hinzugewonnen, dekorieren über decorate die Bedeutung "(militärisch) auszeichnen" und feuern über fire die Bedeutung "entlassen" Das Adjektiv vital bedeutet neben "voller Lebenskraft" auch "lebenswichtig" (vgl. vital interests) und hässlich im Sinne von "böse" in Verbindung mit Nationalitätsbezeichnungen ist beeinflusst von ugly. Doppeltentlehnungen liegen z.B. in Hobby und fashionabel vor. Das sind Wörter, die zuerst übersetzt oder eingedeutscht in die deutsche Sprache gekommen sind (Steckenpferd = hobby horse und fesch) und später noch einmal, und zwar unüberstezt, im Deutschen Aufnahme gefunden haben. Teil 2: Wortbildung
Manche (Halb)präfixe und (Halb)suffixe werden unter dem Einfluss des Englischen besonders produktiv, z.B.: - best-: bestbekannt, bestinformiert, bestbezahlt, bestgehasst;
- Ex-: Exau§enminister, Exweltmeister, Exgattin;
- Mini-: Minigolf, Minikleid, Minibus, Ministaubsauger;
- Monster-: Monsterprogramm, Monsterprozess, Monsterschau, Monsterveranstaltung;
- super-/Super-: superschnell, supersanft; Superbombe, Supermacht, Supermarkt;
- Top-: Toplage, Topausstattung, Topleistung;
- -bewusst (nach: -conscious): preisbewusst, körperbewusst, modebewusst;
- -weit (nach: -wide): weltweit, bundesweit.
Im Bereich der Wortzusammensetzung ist einmal auf englisch-deutsche Mischbildungen wie Livesendung, Popsänger, Fußballfan, Discountladen, Werbespot, Spikesreifen, Mauspad hinzuweisen. Ferner gehen auf englischen Einfluss direkte Zusammensetzungen anstelle präpositionaler Fügungen zurück: Ministerreise / die Reise des Ministers nach Tokio, Berlinbesuch / Besuch in Berlin, Helsinkikonferenz / Konferenz in Helsinki, EU-Beitritt / Beitritt in die EU. Schließlich haben auch Verbableitungen aus Substantiven wie leitartikeln, lichthupen, dauerparken, bausparen, not-/zwischenlanden, schutzimpfen Parallelen in der Wortbildung des Englischen. 3. Syntax Als Einzelerscheinung ist hier die vom Englischen beeinflusste Fügung in + Jahreszahl (in 1997) für im Jahre + Jahreszahl anzuführen. Auch die besonders in Pressepublikationen zu beobachtende Umstellung von Subjekt und Prädikat in Formulierungen wie Schimpfe Dortmunds Trainer H.Z.: ... Schwärme Regisseurin Agnes Varda schon jetzt: ... hat Parallelen im Englischen. Sodann wird die transitive Verwendung einiger eigentlich intransitiver Verben auf englischen Einfluss zurückgeführt (einen Wagen fahren, jemanden boxen [für: gegen jmdn. boxen]. Was fliegen deutsche Manager?) Imperative wie Fliegen Sie...! für Fliegen Sie mit...! oder ähnlichem, die verstärkt in der Werbesprache auftauchen, lassen sich ebenfalls mit englischen Vorbildern in Zusammenhang bringen. Auch vorangestellte Genetivattribute, wie Bayerns große Familienbrauerei, Stuttgarts beliebteste Showband, Roms Priester, wären ohne die entsprechende englische Konstruktion gewiss seltener in der deutschen Zeitungssprache anzutreffen. Schließlich kann auch der Ersatz des Passivs oder einer passivischen Ersatzkonstruktion durch das Aktiv bei einigen Verben mit der Einwirkung des Englischen erklärt werden: Die BZ verkauft 160 000 Exemplare (nach: the book sells 10 000 copies). (Ähnlich:) Das Geschäft öffnet morgen. Aus dem IT-Bereich ist der Gebrauch von englischen Fachbegriffen nicht mehr wegzudenken. Angefangen beim Computer und Hard-/Software, über Megabites bis hin zum Scanner als wichtiges Equipment gibt es seit einigen Jahren nun auch das Internet, zu dem man als erstes einen Access benötigt. Es wird nichts mehr daraus heruntergeladen, sondern downgeloaded (man beachte die deutsche Konjugation). Die neuesten, interaktiven Websites und Homepages sind in aller Munde, ohne E-Mail Adresse ist man ein Nichts, und surfen impliziert schon lange keinen Strand oder Wasser mehr. Auch der Mobilfunk bedient sich kräftig aus der englischen Sprache. Das Handy (engl.: handlich) heißt zwar im Englischen selbst mobile, aber so wie der mobile Anrufbeantworter zur Mailbox mutiert ist, wird wapen bald wohl auch alltäglich werden. Stellenanzeigen lesen sich mittlerweile auch besser mit dem Wörterbuch in der freien Hand, sie sind dann einfacher zu handlen. Da wird zum Recruiting oder Assessment Center eingeladen, in Trainee Programmen lernt man on the job, was bei manchen die Hoffnung weckt, nach vielen Meetings baldmöglichst zum Manager- oder zumindest zum Chief Consultant aufzusteigen. Ansonsten werden heutzutage gerne News ausgetauscht, man geht zu angesagten Events, in In-Clubs der Szene, wo nicht ausschließlich Chartmusik läuft, aber nur Mainstream ist auf die Dauer ja auch langweilig. Es wird die geeignete Location für die eigene Party gesucht, die natürlich total hip sein muss. Cool statt hot bzw. top und nicht flop zu sein ist das tägliche Bestreben des modernen Menschen, hauptsächlich wohl des Teenies oder Twens, so dass die gute alte Cola auch schnell mal zur Coke wird. Aber - don't worry: alles easy. EuroLogos.com www.eurologos.com
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